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Soloselbständige in Deutschland - Strukturen, Entwicklungen und soziale Sicherung bei Arbeitslosigkeit

Als Soloselbständige werden Unternehmerinnen und Unternehmer bezeichnet, die alleine – also ohne weitere Beschäftigte – tätig sind. Sie sind von den Selbständigen mit Beschäftigten einerseits und von den abhängigen Beschäftigten andererseits zu unterscheiden.

Seit einigen Jahren ist in Deutschland ein Anstieg der Selbständigkeit zu beobachten. Dies ist vor allem auf ein starkes Wachstum der Anzahl von Soloselbständigen zurückzuführen. Anfang dieses Jahrtausends hat die Zahl der Soloselbständigen die der Selbständigen mit Beschäftigten überschritten. Gleichzeitig ist auch die Erwerbsbeteiligung von Frauen gewachsen. Sie entscheiden sich zwar seltener als Männer für eine Selbständigkeit – wenn doch, dann jedoch überproportional häufig für eine Selbständigkeit ohne Beschäftigte.

Die Förderung der Selbständigkeit ist in den vergangenen Jahren zu einem wichtigen Handlungs­feld der Wirtschaftspolitik geworden. Durch die Förderung von Unternehmens­gründungen erhofft man sich Wirkungen auf die Beschäftigung, auf die Innovationskraft und damit auf wirtschaftliches Wachstum und Wohlstand. Zudem wurde die Förderung von Existenzgründungen auch zunehmend zu einem wichtigen arbeitsmarktpolitischen Instrument. Gerade Existenzgründungen aus Arbeitslosigkeit beginnen in der überwiegenden Zahl der Fälle als Soloselbständigkeit.

Politische Maßnahmen wie die Lockerung der Handwerksordnung haben zusätzlich zu einem Anstieg der Bedeutung selbständiger Tätigkeiten – insbesondere der Soloselbständigkeit – geführt. Auch entsteht in zahlreichen Wirtschaftsbereichen und Berufsgruppen kontinuierlich neue Soloselbständigkeit, indem Tätigkeiten, die bislang klassischerweise von abhängigen Beschäftigten durchgeführt wurden, zunehmend häufiger in selbständiger Form ausgeübt werden. Dieser Trend wird durch den Wandel unserer Industriegesellschaft zur wissensbasierten Dienstleistungs­gesellschaft unterstützt. Vor allem im Dienstleistungssektor spielt die Soloselbstän­digkeit eine bedeutende Rolle.

Auch im europäischen Vergleich hat die Bedeutung der Soloselbständigkeit in Deutschland in den letzten Jahren zugenommen. Im Unterschied zu vielen anderen europäischen Ländern ist die staatlich organisierte soziale Absicherung der Soloselbständigen gegen Arbeitslosigkeit in Deutschland jedoch wenig ausgebaut. Die sozialen Sicherungssysteme sind – in der Bismarckschen Tradition – nach wie vor ausschließlich auf abhängig Beschäftigte ausgerichtet, obwohl die Grenzen zwischen Selbständigkeit und abhängiger Beschäftigung zunehmend unschärfer werden (Stichwort: Scheinselbständigkeit) und Selbständige nicht automatisch über hohe Einkommen und/oder Vermögen verfügen müssen. Zwar gibt es seit 2006 die Möglichkeit einer freiwilligen (Weiter-)Versicherung für Selbständige in der gesetzlichen Arbeitslosenversicherung. Der Zugang ist jedoch stark eingeschränkt.

Ziel der hier vorgelegten Expertise war es, den Handlungsbedarf im Hinblick auf die soziale Absicherung von Soloselbständigen im Fall der Arbeitslosigkeit zu untersuchen. Handlungsbedarf ergibt sich einerseits aus einem wachsenden quantitativen Umfang einer Erwerbsform, andererseits in Abhängigkeit von der sozio-ökonomischen Situation der betroffenen Personen. Gegenstand der Expertise war es, bereits vorhandene Erkenntnisse zur Bedeutung und Entwicklung der Soloselbständigkeit und insbesondere ihrer sozioökonomischen Situation zielorientiert zu verdichten und im Fall von Lücken durch eigene Auswertungen mit den Daten des Mikrozensus zu ergänzen. Aufbauend auf diesen Analysen wurden Schlussfolgerungen zum Handlungsbedarf und den Handlungsoptionen im Hinblick auf die soziale Absicherung von Soloselbständigen gegen Arbeitslosigkeit gezogen.

Der gleichnamige Bericht ist im Februar 2011 von der Abteilung Wirtschafts- und Sozialpolitik der Friedrich-Ebert-Stiftung (Bonn) in der Reihe "WISO-Diskurs: Expertisen und Dokumentationen zur Wirtschafts- und Sozialpolitik" veröffentlicht worden.

IAW-Expertise "Zur Weiterentwicklung der sozialen Sicherungssysteme (Arbeitslosenversicherung) für Soloselbstständige in der Kreativwirtschaft".

Herausgeber: Abteilung Wirtschafts- und Sozialpolitik der Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn 2012.


Projektteam:

Auftraggeber / Status / Ansprechpartner:

  • Auftraggeber: Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn
  • Status: abgeschlossen
  • Ansprechpartner: Dr. Martin Rosemann Tel: 07071 9896 35 email