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Open Data - Öffnung der Verwaltung. Erschließung von Gestaltungsoptionen für Gemeinwohl und Mitbestimmung

Die öffentliche Verwaltung befindet sich in einem grundlegenden Umbruch. „Open Data“, als Teil des weiterreichenden Konzepts „Open Government“, ermöglicht wünschenswerte Demokratisierungsprozesse auf der Basis von mehr Transparenz und Partizipation. Hierfür ist beabsichtigt, die bisher im Rahmen des Vollzugs von Verwaltungsprozessen eingehaltene Akten- und Datengeheimhaltung in weiten Bereichen aufzuheben. Dies soll zumindest drei Wirkrichtungen haben: die Intensivierung der Bürgerbeteiligung, die Unterstützung neuer wirtschaftlicher Betätigungsfelder und die Steigerung der Effizienz im öffentlichen Dienst.

Sowohl die Ausrichtung der bisherigen politischen Konzepte als auch erste empirische Untersuchungen zu Teilaspekten von Open Data machen indes deutlich, dass die demokratischen Potenziale nicht in gewünschtem Maße erschlossen werden, dass die Beschäftigten kaum auf die Veränderungen vorbereitet sind und dass entgegen der bisherigen Erwartungen deutliche Mehrkosten im öffentlichen Sektor entstehen. Deutlich besser gestaltet sich aktuell nur die privatwirtschaftliche Verwertung der öffentlichen Daten.

Die bloße Bereitstellung von Daten für eine interessierte Öffentlichkeit schlägt sich nicht unmittelbar in einer Verbesserung der Informationen und der damit verbundenen politischen Willensbildung nieder. Dieses äußerst wichtige Ziel kann nur dann realisiert werden, wenn die zivilgesellschaftliche Öffentlichkeit verlässliche Auswertungen der Daten erhält bzw. selbst generieren kann.

Die Bedingungen dafür sind nur rudimentär entwickelt und erfordern ein noch auszuformulierendes konsistentes Konzept. Unstrittig ist dabei der Einbezug der Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes in diesen Prozess, der sich keineswegs in der technischen Bereitstellung von Daten erschöpft, sondern vielmehr einen komplexen Kommunikationsvorgang darstellt. Dies wurde bislang weitgehend ignoriert, obwohl diese Funktion signifikante Auswirkungen auf Art und Umfang ihrer Arbeit hat. Die wenigen hierzu vorliegenden empirischen Untersuchungen über Open Data – zudem meist aus dem Ausland – blenden die Perspektive der Beschäftigten nahezu vollständig aus. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund eigener Erfahrungen aus der Finanzverwaltung einer Großstadt darf man vermuten, dass sich ernstzunehmende organisatorische, qualifikatorische und folglich finanzielle Mehrbelastungen ergeben. Diese belasten nach den bisherigen Überlegungen zur Implementation fast ausschließlich die öffentlichen Haushalte und beeinträchtigen damit auch aus dieser Richtung die Interessen der öffentlich Bediensteten. Ohne Rückhalt durch eine gleichermaßen empirisch gestützte, wie theore­tisch fundierte kritische Gesamtperspektive der durch Open Data in Gang gesetzten Veränderungen drohen sowohl die gesellschafts- als auch die wirtschaftspolitischen Ziele konterkariert zu werden.

Vor diesem Hintergrund richtet sich die Aufgaben- und Fragestellung dieses Forschungsvorhabens auf die Identifikation und Erschließung von (noch) vorhandenen Gestaltungsspielräumen bei der Umsetzung von Open Data zugunsten des Gemeinwohls, der Mitbestimmung und der Beschäftigten im öffentlichen Sektor. In Ermangelung von belastbaren empirischen Angaben konzentriert sich das Forschungsdesign auf eine gesellschaftspolitisch orientierte Expertenbefragung und eine erste qualitative und quantitative Erhebung zu Open Data bei Kommunalverwaltungen bundesdeutscher Großstädte. Die Ergebnisse werden über ein bereits bewährtes Lern- und Arbeitsarchiv („Presenter“) der Forschung zur Verfügung gestellt und bilden zugleich die Basis für ein Monitoring. Gemeinwohl und Mitbestimmung können jedoch nur durch eine eng mit der Empirie verbundene theoretisch ausgerichtete Analyse der Veränderungen gesichert bzw. gestärkt werden. Forschung im Sinne einer Klärung von Begriffen und der Erarbeitung von analytisch gehaltvollen, empirisch fundierten und normativ verpflichteten Konzepten und Modellen steht daher mit im Zentrum des Vorhabens.


Kooperationspartner:
Auftraggeber:

Hans-Böckler-Stiftung


Projektteam: Ansprechpartner: Bernhard Boockmann (Tel: 07071 9896 20 // E-Mail)

Status:
2016 - laufend