Begleitforschung Transformation durch Handwerk
Das Handwerk ist eine zentrale Säule der deutschen Volkswirtschaft. So existierten im Jahr 2021 in Deutschland insgesamt ca. 568.000 Handwerksunternehmen, in denen ca. 5,4 Millionen Personen beschäftigt waren. Das Handwerk ist damit einer der größten Arbeitgeber und nimmt im Bereich der beruflichen Ausbildung eine zentrale Rolle ein. Trotz oder gerade wegen der in den vergangenen Jahren positiven wirtschaftlichen Entwicklung ist das Handwerk mit Blick in die Zukunft mit diversen Herausforderungen konfrontiert. Zu nennen sind hier vor allem der demografische Wandel und der damit einhergehende Fachkräfte- und Nachwuchsmangel sowie die voranschreitende Digitalisierung der Arbeits- und Berufswelt.
Vor diesem Hintergrund wurde im Jahr 2021 von der Bundesagentur für Arbeit (BA) und vom Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) das Pilotprojekt „Transformation durch Handwerk“ initiiert. Mit dem Pilotprojekt wurde das übergeordnete Ziel verfolgt, neue Wege zur Gewinnung von Fachkräften und zur Attraktivitätssteigerung des Handwerks als Arbeitgeber zu erproben. Das Pilotprojekt wurde von Ende 2022 bis Dezember 2025 kooperativ im Gebiet der Regionaldirektion Niedersachsen-Bremen (RD NSB) und der Regionaldirektion Nordrhein-Westfalen (RD NRW) umgesetzt. Die Umsetzung des Pilotprojekts erfolgte in mehreren Teilprojekten, die sich unterschiedlichen Transformations-aspekten widmeten und somit verschiedene Zielgruppen adressierten. Die Teilprojekte waren an unterschiedlichen Standorten angesiedelt und wurden von den dort ansässigen Agenturen für Arbeit und den regionalen Handwerksorganisationen durchgeführt.
Das IAW wurde im Frühjahr 2024 von der Bundesagentur für Arbeit/Regionaldirektion Niedersachsen-Bremen mit der wissenschaftlichen Evaluation des Pilotprojekts und seiner Teilprojekte beauftragt. Ziel der wissenschaftlichen Evaluation war es, belastbare Erkenntnisse über die Umsetzung und Wirkungen der Teilprojekte zu gewinnen sowie Verbesserungsbedarfe zu identifizieren und Handlungsempfehlungen daraus abzuleiten. Der Evaluation lag ein Studiendesign zugrunde, das verschiedene methodische Ansätze kombinierte.
Die Evaluation zeigt, dass das Pilotprojekt „Transformation durch Handwerk“ wichtige Impulse für den Umgang mit Fachkräftebedarf und Transformationsprozessen im Handwerk gesetzt hat. Zwar konnten die angestrebten quantitativen Effekte bei der Fachkräftegewinnung und der Attraktivitätssteigerung des Handwerks nur eingeschränkt erreicht werden, zugleich entstanden jedoch wichtige qualitative Wirkungen: Die Zusammenarbeit zwischen Arbeitsverwaltung und Handwerksorganisationen wurde intensiviert, das gegenseitige Verständnis gestärkt und wertvolle Erkenntnisse darüber gewonnen, welche Ansätze unter welchen Bedingungen funktionieren.
Die Teilprojekte verdeutlichen insbesondere die Bedeutung einer frühzeitigen und realistischen Projektplanung, ausreichender personeller und finanzieller Ressourcen sowie verbindlicher Kooperationsstrukturen. Angebote sollten zugleich zielgruppengerecht, niedrigschwellig und praxisnah gestaltet und an die jeweiligen regionalen und institutionellen Rahmenbedingungen angepasst werden. Der offene und experimentelle Modellcharakter hat dabei wichtige Lernprozesse ermöglicht und gezeigt, dass regionale Expertise und Gestaltungsspielräume wesentliche Voraussetzungen für die Entwicklung passender Lösungen sind.
Für den Transfer in andere Regionen lassen sich daraus fünf zentrale Ansatzpunkte ableiten: einen klaren und zugleich flexiblen Projektrahmen schaffen, Ressourcen absichern, Kooperationen verbindlich organisieren, Angebote passgenau gestalten und die Umsetzung lernorientiert begleiten. Dabei sollten erfolgreiche Grundprinzipien nicht schematisch übertragen, sondern an die jeweiligen regionalen Strukturen und Bedarfe angepasst werden.
Die Ergebnisse der Begleitforschung wurden in Reihe IAW Policy Reports veröffentlicht.
Kooperationspartner:
- Textprodukte Pauer, Christian Pauer, Berlin
Auftraggeber:
Projektteam:
- Andrea Kirchmann (Projektleiterin)
- Christin Schafstädt (Stv. Projektleiterin)
- Marcel Reiner
- Dr. Tobias Scheu
- Dr. Andreas Koch
Ansprechpartner:
Andrea Kirchmann ( 07071 9896 33 // E-Mail )
Status:
2024 - 2026