Schlüsselbranche Maschinenbau – ein mikrodatenbasierter "Blick hinter die Kulissen"

Der aus diesem Projekt entstandene IAW Policy Report zeigt, dass die zum baden-württembergischen Maschinenbau bisher ausgewiesenen statistischen Daten der dortigen zwischenbetrieblichen Heterogenität nur unzureichend Rechnung tragen. Die Untersuchung zieht einen neuen Datensatz heran, der so genannte einzelbetriebliche Mikrodaten enthält, die nur unter strengen datenschutzrechtlichen Vorgaben ausgewertet werden dürfen. Ein besonderer Vorteil dieses Datensatzes ist, dass dieser einen sehr langen Zeitraum abdeckt, wenngleich er aufgrund einer Umstellung der amtlichen Wirtschaftszweigsystematik Analysen nur bis einschließlich 2008 zuließ. Die Untersuchung macht beispielsweise deutlich, dass bei der im baden-württembergischen Werkzeugmaschinenbau durchschnittlich gegebenen Arbeitsproduktivität von 243.400 Euro (2008) allein ein Viertel der Betriebe auf Werte von weniger als 142.500 Euro kam, während ein anderes Viertel der Betriebe Jahresumsätze von über 267.300 Euro pro Beschäftigtem erreichte.

Im Jahr 2008 waren 86,1 % der baden-württembergischen Maschinenbaubetriebe (mit 20 und mehr Beschäftigten) im Auslandsgeschäft tätig. Die Exportbeteiligung lag damit um fast 10 Prozentpunkte über dem im restlichen Bundesgebiet. Während in der Zeit von 1995 bis 2008 in Baden-Württemberg die exportierenden Betriebe ihr Beschäftigungsniveau um 9,1% erhöhen konnten, gab es bei den nicht-exportierenden Betrieben einen Stellenabbau von 31,3 %. Dies dürfte nicht zuletzt damit zusammenhängen, dass bei Maschinen und Anlagen lediglich der Weltmarkt noch größere Wachstumspotenziale bietet. Insofern erscheint es sinnvoll, dass die Landespolitik auch weiterhin eine konsequente Außenwirtschaftsförderung betreibt.

Bei der so genannten Totalen Faktorproduktivität, welche denjenigen Teil des betrieblichen Outputwachstums erklärt, der nicht auf den Zuwachs der Produktionsfaktoren Arbeit und Sachkapital zurückzuführen ist, hat der baden-württembergische Maschinenbau einen Effizienzvorsprung von 17,7 % (2008) gegenüber dem restlichen Bundesgebiet. Dieses Ergebnis wird sicherlich durch die hohe technologische Leistungsfähigkeit und das hohe Qualifikationsniveau der Beschäftigten im Lande begünstigt. Die baden-württembergischen Maschinenbauer schneiden aber auch bei anderen Performance-Indikatoren besser ab als die Betriebe aus den anderen Bundesländern. Dies betrifft nicht zuletzt die Umsatz- und Beschäftigungsentwicklung, den Grad der Exportbeteiligung und die Arbeitsproduktivität – was auf eine überdurchschnittlich hohe Wettbewerbsfähigkeit der baden-württembergischen Branche hinweist.

Mit Blick auf die Beschäftigungsentwicklung zeigt sich, dass eine Ausweitung der betrieblichen Sachkapitalausstattung nicht mit einem Verlust, sondern in der Tendenz sogar mit einem gewissen Zuwachs an Arbeitsplätzen einhergeht. Dies wird auf der Basis entsprechender Regressionsanalysen vor allem bei Großbetrieben (mit 500 und mehr Beschäftigten) deutlich. Zwar haben Lohnkosten- und Umsatzänderungen generell einen großen Einfluss auf das betriebliche Beschäftigungsniveau – besonders stark passen aber gerade exportierende Betriebe ihre Arbeitskräftenachfrage nach solchen Veränderungen an.

Was die kleineren und mittleren Unternehmen (KMU) des baden-württembergischen Maschinenbaus angeht, so können diese für den Betrachtungszeitraum (mit einem größenklassenabhängigen Plus zwischen 5,7 und 11,7 %) eine bessere Beschäftigungsentwicklung vorweisen als die Großbetriebe (mit -0,4 %), andererseits kommen die größeren Betriebe aber auf eine überdurchschnittliche Arbeitsproduktivität.

  • Veröffentlichung:

Raimund Krumm / Fabian Wahl

Schlüsselbranche Maschinenbau – ein mikrodatenbasierter Blick ‚hinter die Kulissen‘“, IAW Policy Reports Nr. 10, Februar 2014

 

Auftraggeber:

    • Zuwendungsgeber: Ministerium für Finanzen und Wirtschaft Baden-Württemberg

Projektteam:

Ansprechpartner:

Dr. Raimund Krumm

Status:

2012 - 2014